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Los Angeles 1932

„Es ist unmöglich, den wunderbaren Erfolg der Spiele der X. Olympiade und die beispiellosen athletischen Leistungen dieser Spiele zu würdigen, ohne die Rolle der OMEGA-Uhren an diesem grossen internationalen Event lobend anzuerkennen.“

Mit diesen Worten bedankte sich William M. Henry, der Sportdirektor von Los Angeles 1932, für den ersten offiziellen Auftritt von OMEGA an Olympischen Spielen. In allen 14 Sportarten gelangten die 30 zur Verfügung gestellten Stoppuhren zum Einsatz. Olympische Rekorde in sämtlichen Leichtathletik und in zehn von elf Schwimm-Wettbewerben wurden registriert. Die bis dahin nicht gekannte Genauigkeit der Zeitmessung löste viele positive Kommentare aus.

Start mit 30 Stoppuhren und 17 Weltrekorden

Der erste Auftritt von OMEGA an den Olympischen Spielen war in doppelter Hinsicht bemerkenswert: Zum ersten Mal wurde die Zeitmessung an eine private Firma vergeben, und zum ersten Mal wurden Sieger und Platzierte auf die Zehntelsekunde genau ermittelt. OMEGA stellte 30 Stoppuhren vom Kaliber 1130 zur Verfügung, die in sämtlichen auf die Zeit ausgerichteten Wettbewerben eingesetzt wurden. Die große Neuerung dieser auf eine Zehntelsekunde genauen Stoppuhren bestand in einem Schleppzeiger, dank dem auch Zwischenzeiten genommen werden konnten. Noch an den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam hatten die Zeitnehmer jeweils ihre eigenen Stoppuhren mitgebracht. Gestoppt wurde damals in allen Sportarten erst auf eine Fünftelsekunde genau, in der Leichtathletik gab es sogar nur für die Sieger offizielle Zeiten. Die herrschende weltweite Rezession und die Wirtschaftskrise ließen 1932 zwar keine Teilnehmerrekorde zu, dafür gab es viele sportliche Rekorde. So wurden in der Leichtathletik 14 und im Schwimmen 3 Weltrekorde registriert.

Ralph Metcalfe vom Reglement geschlagen

Nie zuvor konnten die Zeiten so genau gestoppt werden wie in Los Angeles, und dennoch kam es immer wieder zu umstrittenen Entscheidungen der Kampfgerichte. Vor allem in der Leichtathletik. In fünf Laufwettbewerben wurde für die beiden Erstklassierten die gleiche Zeit ermittelt. Evelyne Hall (USA) liess sich nach dem gegen Mildred „Babe“ Didrikson (USA) knapp verlorenen 80-m-Hürden-Final sogar zur Aussage hinreißen: „Sie hat nur gewonnen, weil sie der Publikumsliebling ist.“ Didrikson hatte zuvor die Goldmedaille im Hochsprung verloren, weil ihr Tauchroller plötzlich als nicht regelkonform angesehen wurde. In die Sportgeschichte eingegangen ist aber vor allem das 100m Duell zwischen Thomas Edward „Eddie“ Tolan (USA, 1908-1967) und Ralph Metcalfe (USA, 1910 – 1978), über das Robert Parienté in seiner „La fabuleuse histoire de l’athlétisme“ schrieb: „Alle haben Metcalfe siegen sehen, und dennoch ist er nur Zweiter... Metcalfe ist vom Reglement geschlagen.“ Dreimal 10,3 Sekunden hatten die Stoppuhren der Handzeitnehmer für Metcalfe angezeigt, zweimal 10,3 und einmal 10,4 für Tolan. Dennoch wurde Tolan zum Sieger ausgerufen.

Gustavus T. Kirby, Vorsitzender der Jury und Erfinder des „Chronocinema“, einer Kamera, die bereits Zieleinläufe filmte und dank der die Zeiten auf die Hundertstelsekunden festgelegt werden konnten, stellte nach Begutachtung des Filmes kategorisch fest: „Die sieben Kampfrichter und ich haben den Zielfilm mehrmals ausgewertet und können daher bestätigen, dass Tolan die Ziellinie fünf Zentimeter vor Metcalfe überquerte. Beide Läufer haben zur genau gleichen Zeit das Zielband berührt, aber das Reglement bestimmt, dass der Lauf erst als beendet gilt, wenn der Oberkörper des Athleten die Zielmarkierung auf der Bahn vollständig passiert hat. Nach dieser Auslegung hat Tolan die Ziellinie fünf Zentimeter vor Metcalfe überquert.“ Diese Regel, die häufig unterschiedlich interpretiert wurde, ist schon 1933 geändert worden. Seither gilt als Sieger, wer die Ziellinie mit einem Teil des Oberkörpers zuerst erreicht. Kirbys Kamera wurde auf experimenteller Basis eingesetzt und nur in Ausnahmefällen zu Rate gezogen, weil die Entwicklung der Filme zu lange dauerte.

Elektrisch wurde übrigens für Tolan und Metcalfe exakt die gleiche Zeit (10,38) ermittelt. In der Ergebnisliste figurieren beide mit 10,3 Sekunden. Obwohl diese in einem Gegenwind von 1,4m/sec gelaufene Zeit Egalisierung des von Tolan gehaltenen Weltrekords bedeutete, ist sie von der IAAF offiziell nie als solche anerkannt worden. Während Tolan in Los Angeles Doppelolympiasieger wurde, ist Metcalfe als Pechvogel in die Geschichtsbücher eingegangen: Im 200-m-Final wurde er irrtümlich von der Staffelmarke aus ins Rennen geschickt, lief 3,5m zuviel. und wurde deshalb nur Dritter. In der 4-mal-100-m-Staffel der USA wurden weder Metcalfe noch Tolan eingesetzt!

Erst 1936 gewann Metcalfe mit der US-Staffel (an der Seite des legendär gewordenen Jesse Owens) endlich eine Goldmedaille. Tolan und Metcalfe waren die Sprintstars, bevor Owens Sportgeschichte zu schreiben begann: Metcalfe lief inoffiziell über 100 Yards, 100m, 200m, 220 Yards und 4-mal-100-m 15-mal Weltrekordzeiten, Tolan 14-mal. Von der IAAF anerkannt wurden aber nur fünf respektive vier dieser Zeiten. Tolan wurde später Lehrer, Metcalfe sass in den letzten sieben Jahren seines Lebens für die Demokraten in Washington sogar im Repräsentantenhaus. Beide waren Mitglieder von Alpha Phi Alpha, der ersten akademischen Bruderschaft für Schwarze in den USA.


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